Vibe Coding in einfachen Worten
Von Robin Oehler, Webentwickler in Bonn · Stand Oktober 2026
Vibe Coding ist eine Arbeitsweise, bei der man Software in normaler Sprache beschreibt und eine KI den Code dazu schreibt. Man steuert über das Ergebnis, nicht über jede einzelne Zeile.
Früher bedeutete Programmieren, jede Anweisung selbst zu formulieren. Beim Vibe Coding sagen Sie stattdessen, was entstehen soll: „Eine ruhige Startseite für eine Physiotherapiepraxis, mit Terminbutton, drei Leistungen und Öffnungszeiten.“ Die KI liefert einen ersten Entwurf. Dann wird nachgeschärft, zum Beispiel: „Der Button soll auf dem Handy immer sichtbar bleiben.“ Aus vielen solcher Runden entsteht die fertige Seite.
Der Begriff beschreibt also weniger eine Technik als eine Haltung: Es geht um den Eindruck, die Funktion und das Ergebnis („Vibe“), nicht um die Syntax. Genau darin liegt die Chance, und genau daraus entstehen die Risiken, die weiter unten ehrlich besprochen werden.
Für Unternehmen ist vor allem eine Frage wichtig: Wer führt die KI? Dieselbe KI liefert in den Händen eines Laien ein anderes Ergebnis als in den Händen eines Entwicklers, der Struktur, Sicherheit, Tempo und Suchmaschinen im Blick behält. Diese Seite erklärt, was dahintersteckt, damit Sie Angebote und Versprechen besser einordnen können.
Woher der Begriff kommt
Den Begriff hat Andrej Karpathy geprägt, Mitgründer von OpenAI und früherer KI-Chef bei Tesla. Anfang Februar 2025 beschrieb er in einem Beitrag, wie er Programme nur noch per Sprache und Rückfragen entwickelt und sich dabei weitgehend auf die KI verlässt. Der Ausdruck verbreitete sich in wenigen Wochen. Dahinter steht aber eine längere Entwicklung:
- Code-Vorschläge im Editor
Mit GitHub Copilot erscheinen Programmierhilfen, die beim Tippen ganze Zeilen und Funktionen ergänzen. Der Entwickler schreibt weiter selbst, die KI vervollständigt.
- Programmieren im Gespräch
Mit ChatGPT wird es üblich, Code zu erfragen, zu erklären und zu korrigieren. Das Kopieren zwischen Chatfenster und Editor ist noch Handarbeit.
- Agenten statt Vorschläge
Coding-Assistenten wie Claude Code lesen ganze Projekte, ändern mehrere Dateien und führen Befehle aus. Die KI arbeitet nicht mehr nur im Chat, sondern im Projekt.
- Der Begriff entsteht
Karpathy nennt diese Arbeitsweise „Vibe Coding“. Der Name bleibt hängen, weil er ein Gefühl trifft: Man beschreibt, die KI baut.
- Im Wörterbuch angekommen
Das Collins Dictionary wählt „vibe coding“ zum Wort des Jahres 2025. Aus dem Spezialthema wird ein Alltagsbegriff.
Wichtig für die Einordnung: Die ursprüngliche Idee war ein lockerer Umgang mit Wegwerf-Projekten und Wochenendexperimenten. Für Unternehmenswebsites ist diese Lockerheit nicht geeignet. Dort gilt dieselbe Sorgfalt wie bei jedem anderen Code, nur dass die KI das Tempo erhöht.
So läuft Vibe Coding konkret ab
Ein Projekt besteht aus kurzen Schleifen. In jeder Schleife passiert dasselbe: beschreiben, ausprobieren, korrigieren. Ein stark vereinfachtes Beispiel aus einem Praxisprojekt:
index.html, style.css und ein kleines Skript für das mobile Menü an. Hero mit Überschrift und Button, drei Karten im Raster, darunter ein Block mit Zeiten und Adresse.So weit klingt es nach Magie. Der entscheidende Teil kommt danach und ist unsichtbar: Jemand muss prüfen, ob der Code sauber ist, ob die Seite auf echten Geräten funktioniert, wie schnell sie lädt, ob Überschriften sinnvoll gegliedert sind und ob das Kontaktformular sicher arbeitet. Die KI kann dabei helfen, aber sie kennt Ihr Geschäft nicht und prüft sich nicht zuverlässig selbst.
Was die KI gut kann
Standardaufgaben in hoher Geschwindigkeit: Seitengerüste, Layouts, Komponenten, Formularlogik, Umbauten über mehrere Dateien und das Ausprobieren von Varianten. Was früher Tage dauerte, ist oft in Stunden als erste Fassung sichtbar.
Was Menschen übernehmen müssen
Ziele und Zielgruppe verstehen, Struktur und Texte für Suchanfragen aufbauen, Entscheidungen zu Datenschutz und Sicherheit treffen, Qualität beurteilen und die Verantwortung tragen. Das sind keine Randaufgaben, sondern der Kern einer guten Website.
Vibe Coding im Vergleich zu Baukasten und WordPress
Wer eine Website braucht, hat mehrere Wege. Die folgende Tabelle ordnet sie nach den Kriterien, die im Alltag zählen. Sie ist eine Faustregel, kein Gesetz: Im Einzelfall entscheiden Projekt und Anbieter.
| Kriterium | Baukasten | WordPress | Klassisch programmiert | Vibe Coding ohne Fachwissen | Vibe Coding mit Entwickler |
|---|---|---|---|---|---|
| Tempo bis zur ersten Version | sehr hoch | mittel | niedrig | sehr hoch | hoch |
| Individuelles Design | begrenzt | je nach Theme | frei | frei, aber oft beliebig | frei und gezielt |
| Ladezeit | mittel | oft mäßig, viele Plugins | sehr gut möglich | unklar | sehr gut, wird gemessen |
| Wartung und Updates | beim Anbieter | laufend nötig | gering bei schlankem Code | unklar | gering, kein Plugin-Zoo |
| Sicherheit | beim Anbieter | abhängig von Plugins | abhängig vom Entwickler | riskant ohne Prüfung | geprüft |
| Kontrolle über SEO | eingeschränkt | gut, mit Zusatzwerkzeugen | volle Kontrolle | oft lückenhaft | volle Kontrolle |
| Kosten | niedrig, laufende Gebühren | mittel bis hoch | hoch | niedrig, aber Folgekosten | fair, zeiteffizient |
Wer ein einfaches Profil ohne Ansprüche an Design und Auffindbarkeit sucht, ist mit einem Baukasten oft zufrieden. Wer täglich viele Inhalte von mehreren Redakteuren pflegt, fährt mit WordPress gut. Dazwischen liegt ein großer Bereich, in dem eine schlanke, individuell entwickelte Website die bessere Lösung ist: schneller, sicherer und ohne Abhängigkeit von Plugins. Mehr dazu auf der Seite Vibe Coding Agentur und im Vergleich WordPress gegen KI-Entwicklung.
Das spricht dafür, das spricht dagegen
- Tempo: Erste Versionen in Stunden, ganze Websites in Wochen statt Monaten.
- Individualität: Design und Code entstehen für Ihre Marke, nicht aus einem Theme.
- Schnelle Korrekturen: Änderungswünsche sind in Minuten sichtbar statt in Tagen.
- Mehr Zeit fürs Wesentliche: Weniger Handarbeit am Standard, mehr Budget für Konzept, Inhalte und Wirkung.
- Schlanker Code: Ohne Baukasten-Ballast lädt die Seite schnell.
- Sicherheit: Ungeprüfter Code kann Lücken enthalten, etwa bei Formularen und Eingaben.
- Wartbarkeit: Ohne saubere Struktur und Dokumentation wird spätere Pflege teuer.
- Erfundene Details: KI-Modelle erfinden gelegentlich Funktionen oder nutzen veraltete Muster.
- Blinde Flecken: Barrierefreiheit, SEO und Datenschutz fallen ohne Anleitung gern hinten runter.
- Datenschutz beim Arbeiten: Vertrauliche Inhalte gehören nicht ungeprüft in jedes KI-Werkzeug.
Die Stärken sind real, die Grenzen auch. Entscheidend ist, dass beide Seiten im Prozess berücksichtigt werden. Wer nur das Tempo verkauft, verschweigt die Prüfung. Wer nur die Risiken betont, verschenkt eine Menge Effizienz, die Kunden zugutekommen kann.
Was ohne Prüfung passiert
Ein typisches Beispiel ist ein Kontaktformular. Die KI liefert schnell eine funktionierende Version, die Nachrichten verschickt. Auf den ersten Blick ist alles in Ordnung. Auf den zweiten fehlt vieles:
Was die Prüfung ergänzt hat: Eingaben bereinigen und begrenzen, einen Schutz gegen gefälschte Anfragen einbauen, Zeilenumbrüche aus Kopfzeilen entfernen, damit niemand den Mailversand missbrauchen kann.
Solche Lücken fallen im Browser nicht auf. Sie zeigen sich erst, wenn jemand sie ausnutzt oder wenn ein Sicherheits-Check sie findet. Ähnliches gilt für Ladezeit (zu große Bilder, unnötige Skripte), für die Gliederung der Überschriften, für fehlende Beschreibungstexte bei Bildern und für Cookie- und Datenschutzfragen.
Je kritischer eine Stelle ist (Formulare, Logins, Zahlungen, personenbezogene Daten), desto weniger sollte man sie ungeprüft aus einer KI übernehmen.
Fünf Irrtümer über Vibe Coding
Die KI baut eine fertige Website von allein.
Sie baut Entwürfe. Ziele, Struktur, Texte, Prüfung und Feinschliff kommen von Menschen. Ohne sie bleibt es bei einer Vorlage mit hübscher Oberfläche.
Vibe Coding macht Entwickler überflüssig.
Es verschiebt ihre Arbeit: weniger Tippen, mehr Konzept, Steuerung und Prüfung. Gerade die Prüfung verlangt Erfahrung.
KI-Code ist automatisch schlechter als handgeschriebener.
Er ist so gut wie die Vorgaben und die Kontrolle. Mit klaren Regeln und Review kann er sauberer sein als hastig geschriebener Handcode.
Vibe Coding taugt nur für Prototypen.
Für Prototypen ist es ideal, aber auch Unternehmenswebsites und Landingpages lassen sich so produktiv und solide umsetzen, wenn die Qualitätsprüfung stimmt.
Wer schnell ist, liefert zwangsläufig schlechter.
Tempo entsteht an den Routinestellen. Die gewonnene Zeit lässt sich in Tests, Feinschliff und Inhalte investieren, statt sie einzusparen.
Wann sich Vibe Coding lohnt
Gut geeignet
- Unternehmenswebsites mit klarer Struktur
- Landingpages für Kampagnen und Werbeanzeigen
- Relaunch einer langsamen oder veralteten Website
- Individuelle Designs ohne Baukasten-Optik
- Prototypen und Ideen, die schnell sichtbar werden sollen
Mit Vorsicht oder anders lösen
- Sicherheitskritische Anwendungen ohne Fachaufsicht
- Große Redaktionssysteme mit vielen täglichen Autoren
- Projekte, bei denen niemand die Verantwortung für das Ergebnis übernimmt
- Vertrauliche Inhalte, die nicht in KI-Werkzeuge gelangen dürfen
Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Vorhaben passt, genügt ein kurzes Gespräch. Ich sage Ihnen ehrlich, ob Vibe Coding, WordPress oder ein anderer Weg sinnvoller ist. Die Preislogik dahinter erkläre ich auf der Seite Website erstellen lassen: Kosten.
So setze ich Vibe Coding ein
Ich bin Webentwickler und arbeite seit über zehn Jahren an Websites. Die KI, zum Beispiel Claude Code, ist heute ein fester Teil meiner Werkzeuge. Sie ersetzt aber nicht meine Verantwortung. Mein Ablauf folgt immer denselben Schritten:
- Erstgespräch: Ziele, Zielgruppe und Wettbewerb klären, kostenlos und unverbindlich.
- Konzept: Seitenstruktur, Überschriften und Suchbegriffe festlegen, bevor Code entsteht.
- Briefing der KI: klare Vorgaben zu Design, Sprache, semantischem HTML, Barrierefreiheit und Tempo.
- Umsetzung in kleinen Schritten: jede Runde in einer Vorschau-Umgebung (Staging), die Sie direkt ansehen und kommentieren können.
- Prüfung: Code-Review, Tests auf verschiedenen Geräten, Ladezeit, Struktur für Suchmaschinen, Zugänglichkeit und Sicherheit.
- Launch und Betreuung: Veröffentlichung, Kontrolle nach dem Start und Weiterentwicklung nach Bedarf.
Wie das als Leistung aussieht, zeigt die Seite KI Website erstellen lassen. Wer sich für die Zusammenarbeit als Agentur interessiert, findet Details unter Vibe Coding Agentur.
Die wichtigsten Begriffe kurz erklärt
- Prompt
- Die Anweisung an die KI, in normaler Sprache formuliert.
- Sprachmodell (LLM)
- Das KI-System hinter dem Chat, das Text und Code erzeugt.
- Agent
- Ein KI-System, das eigenständig mehrere Schritte ausführt, zum Beispiel Dateien lesen, ändern und Befehle starten.
- Kontext
- Alles, was die KI gerade „sieht“: Anweisung, Projektdateien und bisheriger Verlauf.
- Code-Review
- Das Durchlesen und Bewerten von Code durch einen Menschen, bevor er übernommen wird.
- Staging
- Eine nicht öffentliche Vorschau der Website zum Testen und Freigeben.
- Halluzination
- Eine überzeugend klingende, aber erfundene Aussage oder Funktion der KI.
- Refactoring
- Das Aufräumen von Code, ohne dass sich das sichtbare Verhalten ändert.
- Semantisches HTML
- Seitenstruktur mit passenden Elementen (Überschrift, Navigation, Liste), die Suchmaschinen und Screenreader verstehen.
- Core Web Vitals
- Messwerte von Google zu Ladezeit, Reaktionsfähigkeit und visueller Stabilität einer Seite.
- Deployment
- Das Veröffentlichen einer Version auf dem Server.
- No-Code
- Websites per Baukasten bauen, ohne Code zu schreiben.